Kurzportrait: Internationaler Großmeister im Fernschach - CC GM Dr. Sven Teichmeister

Zu meiner Person:

Geboren wurde ich am 24.10.1940 in Mödling. Von Beruf bin ich Jurist und zwar leite ich die Rechtsabteilung einer Versicherungsgesellschaft.

Neben dem Schachspiel gehören Wandern, Radfahren, Lesen und Theaterbesuche zu meinen Interessen.

Für das Schachspiel habe ich mich erstmals gegen Ende meiner Mittelschulzeit, ich glaube es war 1956, interessiert. 1958 trat ich dann dem Schachklub Margareten bei, wo ich IM Hans Müller kennen und als Lehrer schätzen lernte. Er hat meine Begeisterung für unser Spiel geweckt, war mir in meiner schachlichen Entwicklung ein Vorbild und hat mir viel an Schachwissen und Positionsgefühl beigebracht.

Mit dem Fernschach habe ich etwa 1962 begonnen. Ich glaube, daß es auch Hans Müller war, der mich darauf aufmerksam machte und mir vorschlug, es damit zu versuchen.

1966 bis 1970 habe ich neben meinem Beruf das Jusstudium absolviert. In dieser Zeit und noch bis 1972 habe ich aus Zeitgründen nicht Schach gespielt. Danach begann ich wieder damit, wobei ich mich aber vor allem dem Fernschach gewidmet habe.

Mir gibt diese Form unseres Spiels wesentlich mehr Befriedigung als das Nahschach. Es ist die Möglichkeit, sich ohne den Zeitdruck einer Nahpartie mit einer Position auseinanderzusetzen und in Ruhe nach der besten Fortsetzung zu suchen, die mich daran fasziniert. Während ich bei Nahschachpartien allzu friedlich bin, lehne ich in Fernpartien Remisanbote grundsätzlich ab, wenn ich noch irgendeine Möglichkeit sehe, auf Gewinn zu spielen, mag damit auch ein gewisses Risiko verbunden sein. Nur mit einer gewissen Hartnäckigkeit, verbunden mit Geduld und der Bereitschaft, Zeit in eine schwierige Partie zu investieren, lassen sich im Fernschach größere Erfolge erzielen.

Mein größter Erfolg im Fernschach ist sicherlich der mit 10 aus 14 erreichte 1.Platz im 1990/92 gespielten Einladungsturnier-Section B der Scottish Correspondence Chess Association anläßlich des 10-jährigen Bestandes des S.C.C. Magazine. Für den IM-Titel, den ich in diesem Turnier erreicht habe, waren 9 1/2 Punkte erforderlich.

Aus der großen Zahl internationaler und nationaler Turniere, an welchen ich sonst noch teilgenommen habe, möchte ich

  • den jeweils 3.Platz bei der 17.Österr.Staatsmeisterschaft 1983/85 mit 14 aus 19 und bei der 20.Österr.Staatsmeisterschaft 1989/90 mit 12 1/2 aus 18,
  • ein Ergebnis von jeweils 6 aus 8 am 3.Brett der Wiener Mannschaft bei der 1.Bundesländermannschaftsmeisterschaft 1986/87 und am 1.Brett bei der 4.BLMM 1992/93,
  • ein Ergebnis von 8 1/2 aus 11 am 4.Brett der österr.Mannschaft bei der Vorrunde zur 12.Fernschacholympiade 1992/97,
  • ein Ergebnis von 8 aus 11 am 2.Brett im Finale der 4.Europamannschaftsmeisterschaft und
  • einen Turniergewinn mit 9 1/2 aus 10 in der 1994/96 gespielten Vorrunde zum 10.ICCF-Cup
erwähnen.

In der 53.Europameisterschaft, in der ich bereits alle Partien beendet und 10 aus 14 erreicht habe, rechne ich mit dem 2.Platz.

In der noch laufenden 24.ÖFSM 1997/98 habe ich 13 Punkte aus 16 Partien erreicht und bin, soweit ich sehe, bereits uneinholbarer Turniersieger.

Ein wesentliches Thema für das Fernschach ist natürlich der Computer. Er hat darauf zweifellos erheblichen Einfluß, und zwar in allen Phasen der Partie. In der Eröffnung geben große und - auch durch das Internet - immer größer werdende Partiedatenbanken die Möglichkeit, rasch und effizient aktuelle Vorgängerpartien zu suchen. Im Mittel- und im Endspiel haben die diversen Spielprogramme, die vor allem auch durch die Hardware-Weiterentwicklung immer stärker werden, einen nicht zu unterschätzenden Einfluß bei der Suche nach dem besten Zug. Das gilt aber im wesentlichen nur für taktisch orientierte Positionen, während bei strategischen Entscheidungen des Computers größte Vorsicht am Platz ist.

Eine Gefahr für das Fernschach ist der Computer meines Erachtens in den unteren Spielklassen, weil hier das Spielverständnis und die Spielstärke des Menschen allzusehr hinter der Rechenkraft der Maschine nachhinkt. Ab der Meisterklasse halte ich den Computer eher für eine Bereicherung und für etwas, was dem Fermschach durch die Möglichkeit des Zusammenwirkens menschlicher und künstlicher Intelligenz einen zusätzlichen Reiz gibt.


Zum Abschluß 2 Partien aus meiner Fernschachpraxis:

Vandorffy,J - Teichmeister,S [E06]
Einladungsturnier zur Feier des 10-jährigen Bestandes des Schottischen Fernschachmagazins, 1990

1.c4 Sf6 2.g3 e6 3.Lg2 d5 4.cxd5 exd5 5.Sf3 Le7 6.d4 0-0 7.Sc3 c6 8.Dc2 Sbd7 9.0-0 Te8 10.a3?! a5 11.Tb1 g6 12.Lg5 Sb6 13.Tbd1 Lf5 14.Dc1 Se4 15.Sxe4 Lxe4 16.Lxe7 Dxe7 Die e-Linie, das Feld c4 und vor allem die nach dem Abtausch des Le4 gegen den Lg2 entstehenden Schwächen am weißen Königsflügel sichern Schwarz gutes Spiel 17.e3 Sc4 18.Sd2 Lxg2 19.Kxg2 Sxd2 20.Dxd2 De4+ 21.Kg1 h5! 22.Tde1 [22.h4 g5 23.hxg5 Dg4!] 22...Df3 [22...h4 23.f3 De6 24.e4] 23.Dd1 Df6 24.Dd2 h4 25.f3? Das schwächt g3 und e3, besser ist vielleicht Dd3 25...Dg5 26.g4 h3! 27.De2 Te7 28.f4 Dh4 29.Df3 Tae8 30.Te2 Te4 31.Tfe1 g5! 32.Dg3 Dh6 33.fxg5 De6 34.Dxh3 Txg4+ 35.Tg2 [35.Kf2 Df5+ 36.Df3 Dxg5] 35...Txd4 36.Dxe6 Txe6 37.Kf2 Tde4 38.Kf3 Kg7 39.Tg4 Kg6 40.Txe4 Txe4 41.Tg1 Th4 42.Tg2 a4! 43.Ke2 Th5 44.Kd3 Txg5 45.Tf2 Th5 46.Kd4 b6 47.Kc3 f5 und Weiß gibt auf.
0-1


Teichmeister,S - Sande,Ö [C92]
Finale der 4.Europamannschaftsmeisterschaft, Brett 2, 1994

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 d6 8.c3 0-0 9.h3 Sd7 10.d4 Lf6 11.a4 Lb7 12.Sa3 exd4 13.cxd4 Sa5 14.La2 b4 15.Sc4 Sxc4 16.Lxc4 d5 besser dürfte 16...Te8 sein 17.Lxd5 [17.exd5 Sb6 18.Ld3 Sxd5 19.Se5 Ivanchuk,V-Xie Jun/Monaco blind 1996] 17...Lxd5 18.exd5 Sb6 19.Lf4 Sxd5 20.Lg3 c5?! Die Öffnung der Stellung ist für Weiß vorteilhaft. Besser war 20...c6 21.Se5 Lxe5 22.dxe5 mit leichtem Vorteil für Weiß 21.Se5 cxd4 22.Dxd4 Da5 [22...Lxe5 23.Lxe5±; 22...a5 23.Tad1+-] 23.Tac1 Se7 [23...Tac8 24.Txc8 Txc8 25.Dg4 Dd8 26.Td1+-] 24.Dd1! Tfd8 [24...Lxe5? 25.Txe5+-] 25.Sd7 Df5 26.Sxf6+ Dxf6 27.Dg4 Droht Lh4 27...Sg6 28.Dxb4+- h5 29.Dc3 Td4 30.b3 Tad8 31.Dc6 Df5 32.Dxa6 h4 33.Lc7 Td2 34.Tf1 T8d3 35.b4 Tb2 36.Da8+ Gegen den Vormarsch der weißen Damenflügelbauern hilft nichts. Schwarz gibt deshalb auf.
1-0